Fachlich geprüft von Serkan Parlak · zugelassener Immobiliardarlehensvermittler nach §34i GewO (Reg.-Nr. D-W-122-KZSM-71), IHK zu Essen.
Freising gehört zu den begehrtesten und zugleich teuersten Wohnstandorten im Münchner Umland. Die Nähe zum Flughafen München, die schnelle S-Bahn-Anbindung (S1) und der Wissenschaftsstandort Weihenstephan sorgen für eine konstant hohe Nachfrage nach Wohnraum. Wer hier kaufen oder bauen möchte, braucht eine durchdachte Baufinanzierung. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es konkret in Freising und im Landkreis ankommt.
Der Immobilienmarkt in Freising: Hohe Nachfrage, knappes Angebot
Freising profitiert von seiner Lage zwischen München und dem Flughafen im Erdinger Moos. Pendler, Flughafenbeschäftigte und Mitarbeitende der TU München in Weihenstephan treiben die Nachfrage. Das Angebot an Bauland ist begrenzt, unter anderem weil große Flächen im Norden durch den Flughafen und seine Lärmschutzzonen gebunden sind. Die Folge sind Kaufpreise, die deutlich über dem bayerischen Durchschnitt und nur knapp unter dem Niveau angrenzender Münchner Vororte liegen.
Wer eine realistische Baufinanzierung plant, sollte mit hohen Quadratmeterpreisen rechnen – sowohl bei Bestandswohnungen in zentralen Lagen wie der Altstadt rund um den Marienplatz als auch bei Neubauten in Wachstumsgebieten. Der Gutachterausschuss des Landkreises Freising veröffentlicht regelmäßig Bodenrichtwerte und Verkaufsdaten – ein nützlicher, neutraler Anhaltspunkt, bevor Sie ein Angebot bewerten.
Unterschiede zwischen den Stadtteilen
- Altstadt und Domberg: historische Bausubstanz, oft sanierungsbedürftig – kalkulieren Sie Modernisierungskosten von Anfang an in die Finanzierung ein.
- Lerchenfeld: dicht bebautes Wohngebiet mit guter Infrastruktur, beliebt bei Familien.
- Vötting und Weihenstephan: gefragt wegen Hochschulnähe; viele Eigentumswohnungen.
- Neustift und Attaching: Lagen im Norden, teils stärker von Fluglärm betroffen – das kann sich auf Wert und Beleihung auswirken.
Was Sie für eine solide Finanzierung mitbringen sollten
Banken bewerten in Freising dieselben Kennzahlen wie überall, doch das hohe Preisniveau verschärft einige Punkte. Faustregel bleibt das Eigenkapital: Idealerweise decken Sie die Kaufnebenkosten plus möglichst 10–20 % des Kaufpreises selbst ab. Die Nebenkosten setzen sich in Bayern typischerweise so zusammen:
- Grunderwerbsteuer: 3,5 % des Kaufpreises (Bayern hat einen der niedrigsten Sätze in Deutschland).
- Notar und Grundbuch: rund 1,5–2 %.
- Maklerprovision: falls sie anfällt, in der Regel hälftig geteilt.
Gerade weil die absoluten Beträge in Freising hoch sind, machen schon kleine Unterschiede beim Sollzins über die Laufzeit Tausende Euro aus. Holen Sie daher mehrere Angebote ein und vergleichen Sie nicht nur den Zins, sondern auch Tilgungssatz, Sondertilgungsrechte und die Dauer der Zinsbindung.
Neubau, Bestand oder Sanierung?
Beim Neubau – etwa in Erschließungsgebieten am Stadtrand – sollten Sie Baukostensteigerungen und einen ausreichenden Puffer einplanen. Bei Bestandsimmobilien in der Freisinger Altstadt steht häufig die energetische Sanierung an. Beides lässt sich finanzieren, erfordert aber unterschiedliche Bausteine: Auszahlung nach Baufortschritt beim Neubau, Modernisierungskredite oder geförderte Sanierungsdarlehen beim Bestand.
Förderungen, die in Freising relevant sind
Neben der klassischen Bankfinanzierung lohnt sich der Blick auf öffentliche Programme. Diese gelten bundes- oder landesweit, sind aber für Freisinger Haushalte oft besonders wertvoll, weil sie den hohen Kapitalbedarf abfedern:
- KfW-Förderung: zinsgünstige Darlehen für energieeffizientes Bauen und Sanieren sowie für den Erwerb energieeffizienter Gebäude.
- Bayerisches Wohnungsbauprogramm / BayernLabo: Förderdarlehen des Freistaats für selbst genutztes Wohneigentum, abhängig von Einkommensgrenzen und Haushaltsgröße.
- Kommunale Modelle: In wachsenden Gemeinden des Landkreises gibt es teils Einheimischenmodelle mit vergünstigtem Bauland. Fragen Sie direkt bei der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach aktuellen Konditionen.
Wichtig: Förderdarlehen müssen meist vor dem Kauf oder Baubeginn beantragt werden. Klären Sie die Reihenfolge frühzeitig mit Ihrer finanzierenden Bank.
Typische Fragen von Käufern aus der Region
Wie wirkt sich der Fluglärm auf die Finanzierung aus?
In nördlichen Lagen wie Attaching kann eine erhöhte Lärmbelastung den Verkehrswert beeinflussen. Banken orientieren sich am Beleihungswert; eine professionelle Wertermittlung schützt vor einer Überfinanzierung. Prüfen Sie vor dem Kauf die ausgewiesenen Lärmschutzzonen des Flughafens.
Lohnt sich das Pendeln aus dem Umland?
Viele Käufer weichen in Gemeinden wie Neufahrn, Moosburg oder Hallbergmoos aus, wo die Quadratmeterpreise teils niedriger liegen, die S-Bahn- oder Straßenanbindung aber gut bleibt. Das senkt den Finanzierungsbedarf – rechnen Sie jedoch Pendelkosten und Zeit ehrlich gegen.
Wie lange sollte die Zinsbindung sein?
Bei den hohen Darlehenssummen in Freising verschafft eine längere Zinsbindung (zum Beispiel 15 Jahre) Planungssicherheit. Eine kürzere Bindung kann günstiger sein, birgt aber ein Anschlussrisiko. Welche Variante passt, hängt von Ihrer Risikobereitschaft und Lebensplanung ab.
Fazit
Eine Baufinanzierung in Freising gelingt am besten mit realistischer Budgetplanung, ausreichend Eigenkapital und einem Blick auf bayerische sowie kommunale Förderungen. Berücksichtigen Sie die Besonderheiten der einzelnen Stadtteile, die Nebenkosten und mögliche Sanierungsbedarfe. Lassen Sie sich unabhängig beraten und vergleichen Sie mehrere Angebote – so finden Sie eine Finanzierung, die zu Ihrer Immobilie und Ihrer Lebenssituation in und um Freising passt.
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