Ein Autokredit läuft noch zwei Jahre, die Couch wurde per 0-Prozent-Finanzierung gekauft, und auf dem Girokonto steht ab und zu der Dispo im Minus. Muss das der Traum vom Eigenheim killen? Nein. Bestehende Kredite sind für die Bank kein Ausschlusskriterium, aber sie verändern die Rechnung. Wer weiß, wie die Bank rechnet, kann vor dem Antrag ein paar Stellschrauben drehen und deutlich bessere Konditionen bekommen.
Warum laufende Kredite überhaupt stören
Die Bank prüft bei jeder Baufinanzierung zwei Dinge: Ist die Immobilie als Sicherheit genug wert (Beleihung), und können Sie sich die monatliche Rate dauerhaft leisten (Kapitaldienstfähigkeit). Für die zweite Frage stellt sie eine Haushaltsrechnung auf: Einnahmen minus Ausgaben ergibt den Betrag, der monatlich für die Kreditrate übrig bleibt.
Und genau hier tauchen Ihre laufenden Kredite auf. Jede monatliche Rate, egal ob Ratenkredit, Autofinanzierung, Leasing oder eine Möbel-Finanzierung, zählt als feste Ausgabe. Angenommen, Ihr Haushalt könnte 1.400 Euro im Monat für die Immobilie stemmen, aber 350 Euro fließen bereits in einen Autokredit. Dann bleiben nur noch etwa 1.050 Euro für die Baufinanzierung. Bei einem groben Faktor kann das die mögliche Darlehenssumme schnell um mehrere zehntausend Euro senken.
Nicht nur die Rate zählt, auch der Rahmen
Viele unterschätzen einen zweiten Punkt: Es geht nicht nur um Kredite, die Sie tatsächlich bedienen, sondern auch um Kreditlinien, die Ihnen offenstehen. Ein eingeräumter Dispokredit von 5.000 Euro und ein Kreditkartenrahmen von 3.000 Euro sind Verpflichtungen, die Sie jederzeit ziehen könnten. Manche Banken rechnen einen Teil davon fiktiv als mögliche Belastung mit, selbst wenn das Konto im Plus ist.
Dazu kommt der SCHUFA-Score. Jeder laufende Kredit, jeder genutzte Dispo und jede Kreditkarte ist dort vermerkt. Viele parallele Verpflichtungen oder ein häufig überzogenes Konto drücken den Score, und ein schwächerer Score bedeutet in der Regel einen höheren Zinssatz oder eine strengere Prüfung.
Die wichtigsten Hebel vor dem Antrag
Die gute Nachricht: Vieles lässt sich vorbereiten, oft schon Monate bevor Sie zur Bank gehen.
- Kleine Kredite vorher ablösen. Ein Restkredit von wenigen tausend Euro, der jeden Monat mit einer hohen Rate zu Buche schlägt, lohnt sich fast immer, vor dem Antrag zu tilgen, wenn Sie das Geld dafür haben. Achten Sie darauf, dass es keine Vorfälligkeitskosten gibt und dass Sie Ihr Eigenkapital dadurch nicht zu stark aushöhlen.
- Dispo ausgleichen. Ein dauerhaft überzogenes Girokonto ist ein Warnsignal. Bringen Sie das Konto ins Plus, idealerweise einige Monate vor dem Antrag.
- Ungenutzte Kreditlinien kündigen. Alte Kreditkarten oder ein hoher Dispo, den Sie gar nicht brauchen, lassen sich reduzieren oder streichen. Das verkleinert Ihren offenen Rahmen und wirkt sauberer.
- 0-Prozent-Finanzierungen nicht vergessen. Auch wenn keine Zinsen anfallen, ist die monatliche Rate eine Verpflichtung, die in der Haushaltsrechnung landet. Sie taucht meist auch in der SCHUFA auf.
Teuren Kredit in die Baufinanzierung einbeziehen
Wenn ein bestehender Kredit hohe Zinsen hat, etwa ein Ratenkredit mit deutlich höherem Zinssatz als die aktuelle Baufinanzierung, kann es sinnvoll sein, ihn in das Baudarlehen einzubeziehen und mitumzuschulden. Sie tauschen dann einen teuren Kredit gegen günstigere Baufinanzierungszinsen und haben nur noch eine Rate.
Das hat aber einen Haken: Die zusätzlich aufgenommene Summe erhöht Ihr Darlehen und damit den Beleihungsauslauf, also das Verhältnis von Kredit zu Immobilienwert. Ein höherer Beleihungsauslauf führt oft zu einem etwas höheren Zinssatz für die gesamte Finanzierung. Ob sich das rechnet, hängt vom Zinsunterschied und der Restschuld des alten Kredits ab. Lassen Sie beide Varianten durchrechnen, bevor Sie sich entscheiden.
Wann ein laufender Kredit kaum stört
Nicht jeder Kredit ist ein Problem. Läuft eine Finanzierung ohnehin in wenigen Monaten aus, interessiert die Bank vor allem das Ablaufdatum. Ist die letzte Rate absehbar, bevor die Baufinanzierung startet, wird sie in der Haushaltsrechnung oft gar nicht mehr voll angesetzt. Halten Sie deshalb die Restlaufzeit und die verbleibende Restschuld Ihrer Kredite griffbereit.
Auch eine überschaubare Rate bei gutem Einkommen fällt kaum ins Gewicht. Entscheidend ist immer das Verhältnis: Wie viel Ihres Nettoeinkommens ist bereits durch bestehende Verpflichtungen gebunden?
Ehrlichkeit in der Selbstauskunft
Ein häufiger Fehler: laufende Kredite in der Selbstauskunft verschweigen, um besser dazustehen. Das geht fast immer schief. Die Bank holt eine SCHUFA-Auskunft ein und sieht Ihre eingetragenen Kredite ohnehin. Fallen Angaben und SCHUFA auseinander, ist das Vertrauen dahin, und der Antrag kann komplett scheitern. Geben Sie alle Verpflichtungen vollständig an. Eine saubere, nachvollziehbare Selbstauskunft wirkt bei der Bank stärker als eine geschönte.
Kurz zusammengefasst
Laufende Kredite verhindern die Baufinanzierung selten, sie verkleinern meist nur den Spielraum. Wer kleine Kredite vorher tilgt, den Dispo ausgleicht, unnötige Rahmen streicht und teure Kredite gezielt mit umschuldet, verbessert sowohl die Haushaltsrechnung als auch den Score. Weil jede Bank etwas anders kalkuliert und die genauen Faktoren sich unterscheiden, lohnt sich ein Beratungsgespräch, in dem Ihre konkrete Situation durchgerechnet wird. So sehen Sie schwarz auf weiß, welcher Weg zu Ihrer Immobilie am günstigsten ist.
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