Baufinanzierung in der Probezeit: So klappt der Kredit

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, das Traumhaus steht zum Verkauf, aber die ersten sechs Monate im neuen Job laufen noch als Probezeit. Viele denken jetzt, die Bank winke automatisch ab. Das stimmt so nicht. Entscheidend ist nicht das Etikett “Probezeit”, sondern die Frage, ob Ihr Einkommen über die gesamte Kreditlaufzeit tragfähig bleibt. Und genau da ist die Probezeit oft besser gestellt, als ihr Ruf vermuten lässt.

Probezeit ist nicht gleich befristeter Vertrag

Der wichtigste Unterschied vorweg, weil er über die Bewertung der Bank entscheidet: Eine Probezeit steht in aller Regel am Anfang eines unbefristeten Arbeitsvertrags. Nur die ersten Monate gelten als Erprobung, danach läuft dasselbe Arbeitsverhältnis ganz normal weiter. Das ist etwas völlig anderes als ein befristeter Vertrag, der zu einem festen Datum endet.

Rechtlich dauert die Probezeit meist bis zu sechs Monate. In dieser Zeit gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB), beide Seiten können sich also schneller trennen. Für die Bank bedeutet das ein etwas höheres Risiko in den ersten Monaten, nicht aber die Unsicherheit, ob Ihr Job in zwei Jahren überhaupt noch existiert. Wer das im Gespräch sauber erklärt, räumt schon einen großen Teil der Skepsis aus.

Was die Bank tatsächlich prüft

Banken bewerten Ihre Einkommensstabilität, nicht Ihren Kalendermonat im Unternehmen. In der Praxis schauen Sachbearbeiter und Kreditrichtlinien vor allem auf diese Punkte:

  • Unbefristet oder befristet? Ein unbefristeter Vertrag mit laufender Probezeit ist die deutlich stärkere Ausgangslage.
  • Ihre Erwerbsbiografie: Lückenlose Beschäftigung, keine häufigen kurzen Jobwechsel, sinnvolle Entwicklung im Lebenslauf.
  • Art des Wechsels: Ein Wechsel innerhalb derselben Branche, oft verbunden mit einem Gehaltssprung oder mehr Verantwortung, wirkt positiv. Wer seine Qualifikation nur besser verkauft, ist kein Risiko, sondern ein Aufsteiger.
  • Branche und Arbeitsmarkt: In Feldern mit Fachkräftemangel (Pflege, IT, Handwerk, technische Berufe) ist die Sorge vor Arbeitslosigkeit gering. Selbst nach einer Kündigung in der Probezeit fänden Sie schnell wieder Anschluss.
  • Herkunft der Stelle: Eine interne Übernahme, etwa nach Ausbildung oder Studium im selben Betrieb, oder eine Festanstellung im öffentlichen Dienst gilt als besonders solide.

Wie eine Bank diese Faktoren gewichtet, ist von Haus zu Haus verschieden. Manche Institute finanzieren in der Probezeit ohne Aufschlag, andere verlangen erste reguläre Gehaltsabrechnungen oder wollen das Ende der Probezeit abwarten. Pauschale Zinsaufschläge oder feste Beleihungsgrenzen für diesen Fall gibt es nicht, das lässt sich nur im konkreten Angebot klären.

Diese Hebel verbessern Ihre Chancen

Wenn die Probezeit die Bank zögern lässt, können Sie das Risiko aus ihrer Sicht gezielt senken. Am wirksamsten ist mehr Eigenkapital. Je geringer der Anteil des Kaufpreises, den Sie über den Kredit finanzieren, desto niedriger der Beleihungsauslauf und damit das Risiko der Bank. Wer die Kaufnebenkosten und einen Teil des Kaufpreises selbst mitbringt, verhandelt aus einer ganz anderen Position.

Weitere Ansätze, die in der Praxis helfen:

  • Zweiter Kreditnehmer mit sicherem Einkommen: Kauft der Partner mit und steht bereits in einem unbefristeten, nicht mehr in der Probezeit befindlichen Job, stützt sein Einkommen den Antrag spürbar.
  • Bürgschaft: Ein solventer Bürge, oft aus der Familie, kann eine Brücke sein. Das ist eine ernste Verpflichtung, die alle Beteiligten vorher durchdenken sollten.
  • Realistische Rate mit Puffer: Planen Sie die monatliche Belastung so, dass auch bei knappen Monaten Luft bleibt, plus eine Rücklage von einigen Nettogehältern. Das überzeugt nicht nur die Bank, es schützt vor allem Sie selbst.
  • Kurz warten: Steht die Probezeit ohnehin kurz vor dem Ende, kann es sich lohnen, die letzten Wochen abzuwarten. Mit bestandener Probezeit fällt das Hauptargument gegen Sie weg.

Sonderfälle, die eher für Sie sprechen

Nicht jede Probezeit ist gleich zu bewerten. Wer nach der Ausbildung oder dem dualen Studium vom selben Arbeitgeber übernommen wurde, hat den Betrieb längst kennengelernt, hier ist die Probezeit eher Formsache. Ähnlich sieht es bei einem internen Wechsel oder einer Beförderung aus. Auch eine Festanstellung im öffentlichen Dienst wird von Banken meist wohlwollend gesehen, weil dort langfristige Sicherheit mitschwingt.

Umgekehrt schauen Banken genauer hin, wenn die Probezeit mit einem Quereinstieg in eine fremde Branche, einer längeren Lücke davor oder einer Kette kurzer Anstellungen zusammenfällt. Das ist kein Ausschluss, verlangt aber eine gute Erklärung und häufiger die genannten Zusatzsicherheiten.

So gehen Sie das Gespräch an

Bereiten Sie die Unterlagen vollständig vor: Arbeitsvertrag (der die Unbefristung zeigt), die letzten Gehaltsabrechnungen, gegebenenfalls das Übernahmeschreiben nach der Ausbildung. Sprechen Sie die Probezeit von sich aus an und legen Sie dar, warum Ihr Einkommen dauerhaft trägt, etwa durch die Branche, den Gehaltssprung oder den zweiten Verdiener im Haushalt. Offenheit wirkt hier stärker als jedes Verschweigen, denn spätestens beim Vertrag fällt es auf.

Und vergleichen Sie mehrere Anbieter. Weil die Häuser die Probezeit so unterschiedlich handhaben, kann dieselbe Situation bei der einen Bank zur Absage und bei der nächsten zu einer soliden Zusage führen. Ein Finanzierungsvergleich mit einem Berater, der viele Banken im Zugriff hat, spart Ihnen hier viel Zeit und oft bares Geld.

Kurz gesagt: Die Probezeit ist selten der Dealbreaker, als der sie gilt. Wer einen unbefristeten Vertrag, eine saubere Biografie und etwas Eigenkapital mitbringt, hat gute Karten. Lassen Sie Ihre persönliche Ausgangslage prüfen und holen Sie ein unverbindliches Angebot ein, bevor Sie das Haus vorschnell abschreiben.

Weiterführend: Miterben auszahlen: Geerbte Immobilie finanzieren

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